| DAS CANON 70 – 200 mm F2.8 L USM |

von Tom Wuttke

Hallo Fotofreaks!

Es wir mal wieder Zeit für einen kleinen Technikbeitrag. Heute möchte ich mich dem
Canon 70 – 200 mm F2.8 L USM widmen.

Vorweg soll gesagt sein, dass diese Telezooms mit großer Blende wohl eine der Königsdisziplinen für die Hersteller der Objektive darstellt. Meiner Meinung nach könnte man hier pauschal sagen: man bekommt, was man bezahlt.

Ich habe mich bewusst für dieses sehr alte Model ohne Stabilisator entschieden. Nachdem ich nun seid einem Jahr damit fotografiere und einige andere probiert habe, möchte ich euch eine kleine Einschätzung geben.

Schärfe und Auflösung

Ja, es gibt schärfere. Das ist kein Geheimnis und muss gesagt werden. Canon hat diese Variante des Objektivs vor über 12 Jahren entwickelt. Damals war wohl noch keine Rede von 20 MP und mehr. Damals waren die technischen Möglichkeiten auch noch lange nicht so ausgereift, wie sie es heute sind. Und dennoch galt das Objektiv bis zum Erscheinen der aktuellen und sehr viel teureren Variante als DAS 70 – 200 überhaupt. Ein Grund dafür, dass sich mir die Nackenhaare aufstellen, wenn ich heute höre es sei nie gut gewesen.
Offenblendig ist die Linse recht weich. Mich persönlich stört das gerade bei langen Brennweiten und wenig Abstand nicht. Die Schärfentiefe ist dann so gering, dass es anscheinend so sein muss. Die Bildwirkung ist sehr harmonisch. Bei kurzen Brennweiten hingegen empfiehlt es sich 2/3 Blendenstufen abzublenden um gute Ergebnisse zu erzielen.
Die Auflösung ist für heutige Verhältnisse mittelmäßig. Das ist Schade und könnte gerade an Einsteigerkameras zum Problem werden.

Bokeh

Ich kann es nicht oft genug sagen. Ein L hat im meinen Augen auch immer ein L-Bokeh. Genau das ist auch hier der Fall. Die Unschärfe schmeichelt dem Auge auf höchstem Niveau. Es ist weich, nahezu cremig. Die Wirkung ist fesselnd.
Die Kombination aus langer Brennweite und großer Blende bringt gerade in Sachen Bokeh hervorragende Möglichkeiten mit sich und ermöglicht das Freistellen von Objekten, die sehr weit entfernt sind. Der Hintergrund ist außergewöhnlich weich – ohne Ecken und Kanten.

Autofokus

Mein Exemplar ist justiert worden. Seitdem sitzt der Fokus auf Anhieb und auf den Milimeter genau. Ein flotter Fokus ist in diesem Preissegment zu erwarten – und er wird den Erwartungen auch gerecht.
Das Objektiv bietet die Möglichkeit den Autofokus zu begrenzen um nocheinmal ein deutliches Plus an Geschwindigkeit zu bieten. Ich persönlich verzichte darauf.

Verarbeitung und Haptik

Die Verarbeitung ist….nun ja….sagen wir es erweckt den Eindruck aus einem Stück gefeilt zu sein. Das Magnesiumgehäuse ist extrem robust und vermittelt Wertigkeit. Zoom- und Fokusring sind sehr griffig und bieten ausreichend aber auch nicht zu wenig Widerstand.
Die Abdichtung geht in Ordnung, handelt dem Objektiv jedoch einen dicken Minuspunkt ein – die Gummilippe am Bajonett ist nicht vorhanden. Ein No-Go, wie ich finde. Canon hat das an allen Nachfolgern verbessert – nutzt mir nun aber nix. 😉
Dabei ist eine Stativschelle, die das Objektiv noch griffiger werden lässt. Beim stolzen Gewicht der grauen Lady ist das sehr hilfreich, zum Fotografieren vom Stativ unbedingt notwendig.
Die Gegenlichtblende erfüllt ihren Zweck.

Bildstabilisator

…den gibt es nicht.
Für viele mag das ein KO – Kriterium sein. Ich persönlich vermisse ihn nicht. Vielleicht sollte man diese Entscheidung von der verwendeten Kamera abhängig machen. Hat man eine aktuelle Vollformatkamera zur Verfügung, so kann man den fehlenden Stabilisator durch höhere Empfindlichkeiten kompensieren. Nutzt man hingegen eine Kamera mit rauschanfälligem APS – C Sensor, dann kann das der Genickbruch sein.
Bedenkt, dass ihr bei 200 mm Brennweite auf VF also auch 1/200 Sek oder kürzer braucht. Auf APS – C ist es sogar 1/320! Auch bei einer F2,8 kann das in Low Light Situationen schwierig werden.

Bildwirkung und Abbildungsfehler

CAs? Nein. Die fallen so gering aus, dass sie auch in einer 100 % – Ansicht kaum sichtbar werden. Die Vignettierung fällt im Allgemeinen ebenso gering aus, variiert aber je nach Brennweite und Blende.

Die Wirkung der Fotos ist klasse. Tolle Farben, harmonischer Schärfeverlauf und weltklasse Bokeh.

Das 70 – 200 lädt außerdem zum Spielen ein. Es ist anfällig für Gegenlicht, produziert Lensflares und genau das finde ich geil! Ich liebe Flares! Geschmackssache sicherlich. Wer sie in seine Bilder bewusst einzubauen weiß, der wird jede Menge Spass damit haben.

Preis – Leistung

Für den Neupreis von 1.200 € bekommt man ein tolles Objektiv der Königsklasse. Sicher hat es Schwächen. Aber wie ich anfangs schon schrieb, bekommt man in diesem Segment das, was man bezahlt. Verwirren soll euch das aber nicht. Hier jammert man auf verdammt hohem Niveau. Wer mehr investieren möchte, der wird mit der aktuellen Variante, dem 70 – 200 F2,8 L IS II USM, sehr viel Freude haben.
Wem das zu teuer ist und wer auf einen Stabilisator verzichten kann aber dennoch Wert auf Verarbeitung und Haptik legt, der ist mit der hier vorgestellten Variante verdammt gut beraten.

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